Loslassen lässt sich nicht erzwingen

„Ich weiß, dass ich loslassen muss“.

Das ist ein Satz, der mir häufig in Coachingsitzungen begegnet, und fast jedes Mal während einer Massage.

Wir möchten alte Beziehungen loslassen, Erinnerungen an schmerzhafte Erfahrungen, an unsere Kindheit, in der wir Liebe, Nähe und Schutz gebraucht hätten,…  

Und ganz oft liegt darin die Annahme, dass Loslassen etwas ist, das wir einfach tun müssen; dass es etwas ist, wofür wir uns willentlich entscheiden und für das wir nur diszipliniert genug sein müssen, um es durchzuziehen. Ein bisschen, wie ein Muskel, der trainiert werden muss, damit es klappt.

Wenn wir das Thema Loslassen jedoch aus der Perspektive unseres Nervensystems betrachten, erkennen wir meist etwas ziemlich Nachvollziehbares (das es hoffentlich auch dir zukünftig etwas leichter macht, wenn es um dieses Thema geht).

Loslassen ist kein Ziel, sondern ein Nebenprodukt von Sicherheit.

Unser Nervensystem ist immer darauf ausgerichtet, uns zu schützen und für unser Überleben zu sorgen. Und besonders wichtig ist in diesem Kontext unser Bindungssystem, das dafür sorgt, dass wir Verbindung mit anderen Menschen suchen, Nähe herstellen und uns auch an anderen orientieren. Denn für tausende von Jahren bedeutete Verbindung Überleben. Allein zu sein konnte lebensgefährlich sein, und ausgeschlossen zu werden ebenfalls.

Und deshalb reagiert unser Nervensystem auch heute noch sehr sensibel auf alles, was sich nach Verlust von Verbindung anfühlt.

Wenn wir also an etwas festhalten (an einem Menschen, einer Beziehung, einer Hoffnung oder auch an einer Geschichte über uns selbst), dann ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen dafür, dass unser Nervensystem versucht, Bindung und Sicherheit zu bewahren.

Und doch entsteht genau hier sehr oft innerer Druck (der aber nicht selten auch von außen kommt). Hören wir nicht ständig Ratschläge, wie „Du musst das einfach loslassen / akzeptieren / nach vorne schauen etc.“? So, als sei das eine willentliche Entscheidung und ganz einfach.

Doch Druck wirkt auf unser Nervensystem selten beruhigend, sondern bewirkt meist sogar das Gegenteil, also noch mehr Anspannung und Stressgefühle.

Lasst uns also beginnen, uns sicher zu fühlen.

Wenn wir beginnen, uns damit auseinanderzusetzen, was Sicherheit für unser Nervensystem jeweils ganz individuell bedeutet und diese Sicherheit zu erschaffen, gelingt auch Loslassen. Vielleicht nicht sofort und nicht spektakulär, aber langsam spürbar, weil unser Nervensystem lernt, dass es entspannen darf.

Vielleicht lässt sich Loslassen ein wenig mit dem krampfhaften Versuch einzuschlafen vergleichen: je mehr wir es versuchen, desto weniger gelingt es. Aber wenn unser Körper sich sicher fühlt, wenn wir es warm, ruhig und geborgen haben, dann schlafen wir auch ganz entspannt ein. Loslassen funktioniert irgendwie ähnlich 🙂.

Vielleicht müssen wir also gar nicht so sehr lernen, loszulassen, sondern dürfen vielmehr üben…

  • Wie wir uns wieder sicherer fühlen können
  • Unserem Körper (wieder) zuzuhören
  • Räume zu schaffen, in denen unser Nervensystem regulieren kann (denn Heilung entsteht vor allem in Verbindung mit anderen)

Halte gerne einen kleinen Moment inne und frage dich:

  • Wo in meinem Leben versuche ich gerade, etwas mit Willenskraft loszulassen?
  • Was würde meinem Nervensystem helfen, sich ein kleines Stück sicherer zu fühlen?
  • Und wie würde sich mein innerer Umgang mit mir verändern, wenn ich mir mehr Zeit erlaube?

Manchmal beginnt Veränderung in einem kleinen Moment von Verständnis und Mitgefühl für uns selbst.

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